Milan aus Berlin – GR20 in Korsika – Deutsch Interview

Hallo Milan, kannst du dich bitte vorstellen ?

Ich bin 22 Jahre alt, komme aus Berlin und studiere dort im 4. Semester Medizin.

Machst du regelmäßig Sport ? Wenn ja, was machst du gern und wie oft pro Woche ? Hast du noch ein anderes Hobby ?

Generell fahre ich in der Stadt überall mit meinem Rennrad hin. Wie oft ich aktiv Sport mache ist unterschiedlich. Wenn gerade Prüfungen anstehen, schaffe ich es vielleicht nur 2x pro Woche ins Fitnessstudio oder zu Joggen um ein gewisses Fitnesslevel zu halten und den Kopf vom Lernen frei zu kriegen. In den Semesterferien oder am Anfang des Semesters trainiere ich sehr viel öfter und intensivere Intervall Einheiten. Seit mehr als 3 Jahren bin ich Feuerwehrmann bei der Freiwilligen Feuerwehr in Berlin Kreuzberg. Mit einigen Kollegen nehme ich regelmäßig an der Firefighter Combat Challenge teil. Ein intensiver Parcour, der einem Einsatz nachempfunden ist. Dort messen wir unsere Fitness mit anderen Feuerwehrmännern aus der ganzen Welt.

Bist du schon weitgewandert ?

Meine weiteste Wanderung vor dem GR20 war der West Coast Trail auf Vancouver island in Kanada.

Wann bist du den GR 20 gelaufen ? Wie kamst du nach Korsika ? Bist du allein oder mit anderen Leuten gewandert? Welchen Weg bist du auf dem GR 20 gelaufen? Wo hast du begonnen und wo bist du geendet?

Ich bin den GR20 vom 11.08.2017 bis zum 27.08.2017 gelaufen. Wir haben uns in eine kleine Bergerie mit Badegumpen verliebt und dort einen Tag lang Rotwein getrunken und vergessen weiterzulaufen.

Letztes Jahr waren wir im Süden Korsikas tauchen und kamen schon eine Woche vorher auf die Insel um ein wenig zu wandern. Dort haben wir den GR20 entdeckt und uns vorgenommen, ihn dieses Jahr komplett zu laufen.

One of our last coffee before tackling the GR20 in Calvi
One of our last coffee before tackling the GR20 in Calvi

Ich bin mit fünf weiteren Freunden aus Schulzeiten gewandert. Leider haben nur vier von uns den GR20 beenden können. Gestartet sind wir in Calenzana und dann Richtung Süden bis nach Conca gewandert. Wir haben uns immer an die offizielle, Rot/ Weiß markierte, Strecke gehalten.

Warum wolltest du den GR 20 auf Korsika laufen ? Wie hast du dich dafür vorbereitet ?

Die Landschaft auf Korsika ist traumhaft, ich mag vor allem, dass die Insel so grün ist. Vor allem hat man bei der Wanderung so abwechslungsreiche Landschaften. Karge Felsen den einen Tag und grüne Täler den anderen. Mir hat aber auch die Herausforderung gefallen, der GR20 gilt als schwierig, ich wollte wissen ob ich es schaffen kann.

Horse picture - at Lac de Nino
Horse picture – at Lac de Nino

Geplant war die Wanderung seit einem Jahr. Wir sind ja letztes Jahr schon Teilabschnitte gelaufen und es war klar, dass mein Rucksack um einiges leichter werden muss.

Also belief sich meine Vorbereitung nur auf Gewichtsreduktion und schlaues Packen. Extra trainiert habe ich nicht.

Welches Material hast du mitgenommen ?

Mein Rucksack ist ein North Face Terra 45. Mit wenig mehr als 40 Litern Fassungsvermögen war er leider ein wenig zu klein, sodass ich mein Zelt unten heran hängen musste. Wir haben aufgrund der unterschiedlichen Kondition und Verfassung innerhalb der Gruppe Gewicht umverteilen mussten, sodass mein Rucksack um die 14/15 kg wog. (inklusive 3L Wasser)

Ich hatte ein Tshirt zum laufen und eins für Abends dabei (zusätzlich ein Wechsel Tshirt umsonst mitgeschleppt)

Eine lange Unterhose für Abends, eine Zip-off Hose zum laufen, eine Fleece Jacke und einen Windbreaker.

Für die meisten Tage hatten wir Nahrung dabei und noch einmal in Vizzavona und auf den Refuges ergänzt. Früchte habe ich immer wenn es ging auf den Refuges gekauft und ansonsten Trockennahrung dabei. Couscous und Trekking Tüten. Morgens gabs Haferflocken mit Wasser und einer Tafelschokolade aus dem Refuge gekocht.

Was ist dein Feedback ?

Positiv :

Mein Körper hat den GR20 super überstanden. Jetzt, nach ein paar Tagen Erholung und Luxus (Kaffee), könnte ich wieder los.

Muskelkater oder Blasen hatte ich keine. Psychisch fand ich die 2 Wochen dann doch etwas lang. Vor allem die fehlenden Rückzugsmöglichkeiten und die dann doch immer ähnlichen Tagesabläufe.

The black and white one captured a stumble of my friend on Bocca di Stagnu
Captured a stumble of my friend on Bocca di Stagnu

Die Abende auf den Refuges habe ich immer genossen. Man trifft tolle andere Menschen. Der kleinste gemeinsame Nenner ist das Wandern und man erlebt ähnliches, so kommt man leicht ins Gespräch. Doch der Background der Leute ist super unterschiedlich und das fand ich spannend.

Negativ ?

Am Ende des GR20, nach dem Refuge d’Asinau, wurden wir von der Hitze überrascht.

Teilweise waren es 42 grad. Das waren wir aus dem Norden nicht gewöhnt und haben echt noch gelitten. Wir haben gelernt beim planen einer Etappe nicht nur auf Auf und Abstieg zu achten. Wirklich Negativ war das nicht, eher spannend und auch sonst haben wir eigentlich nichts Negatives erlebt.

Was war dein Lieblingsmoment und was der schlechteste ?

Mein Lieblingsmoment war vielleicht der Abstecher auf den Monte Cinto, nach dem langen Aufstieg von der Station d’Ascu. Wir waren spät dran und deswegen komplett alleine auf dem Gipfel, nach der extrem Anstrengenden Etappe waren wir dort oben Stolz und erleichtert.

Milan Witec - On the way to Monte Cinto
Milan Witec – On the way to Monte Cinto

Was war deine Lieblingsetappe und deine liebste Hütte ?

Meine Lieblingsetappe war von der Station d’Ascu über den Monte Cinto zum Refuge Tighjettu. Wobei ich Aufstiege sehr viel lieber mag als Abstiege. Den Weg herunter zum Refuge Tighjettu habe ich verflucht. Den Vormittag aber, mit dem rauen Stein und der Hitze von oben habe ich gemocht. Man musste sich wirklich über das Geröll hochkämpfen und war stolz auf jeden Höhenmeter den man dem Berg abgerungen hat.

Somewhere around col d'Avartoli
Somewhere around col d’Avartoli

Mir haben einige Hütten sehr gut gefallen. Wenn ich mich doch Entscheiden muss, dann wahrscheinlich für das Refuge d’Usciolu. Dort waren viele andere Wanderer und die Stimmung war ausgelassen. Wir waren schon fast am Ziel und auch die anderen Wanderer hatten schon viel zu Erzählen.

Wenn du den Weg noch einmal gehen würdest, was würdest du ändern ?

Ich würde das Gewicht meines Rucksacks weiter reduzieren. Mein Zelt war für den GR20 im Sommer definitiv zu groß. Außerdem reicht ein T-shirt zum laufen und eins für Abends.

Welche Ratschläge würdest du anderen geben, die den GR 20 noch gehen möchten ?

Gewicht, Gewicht, Gewicht. Das beste was man einem selbst tun kann, ist mit leichtem Gepäck zu laufen. Alles macht dann mehr Spaß. Im Gegensatz zu den 4 Tagen auf dem GR20 im letzten Jahr, konnte ich jetzt die Landschaft mehr genießen.

Würdest du sonst noch etwas empfehlen ?

Ein Tipp vom Stadtkind: wenn man probiert ein Kalb von nahem zu fotografieren, lernt man wie schnell man mit 15kg auf dem Rücken laufen kann !

Sehr gute Beratung bezüglich des Gewichtes der Tasche !

Vielen Dank Milan für Ihr Feedback ! 🙂

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